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NAV Partner Wechsel: Der erste Verlust ist der Kleinste!

Ein Unternehmer schilderte mir seinen Leidensweg, den er mit seinem NAV Partner [ERP System MS Dynamics NAV, Navision, MSDynNAV] über 2 Jahre gegangen ist, weil er damals glaubte, ein Wechsel des NAV Partners wäre zu teuer. Conclusio: Der erste Verlust ist der Kleinste! [twitter_buttons]

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NAV Partner wechseln #DEEynamics #MICROSOFT #DYNAMICS #NAV

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Zu Begin war alles so einfach. Der NAV Partner hatte eine hervorragende Präsentation abgeliefert. Die gezeigte Branchenlösung hatte einfach alles was man brauchte und wollte. Der NAV Partner kannte alle branchenspezifischen Probleme und Eigenheiten. Man einigte sich sehr rasch auf eine Zusammenarbeit.

Der Unternehmer hat dann zwar noch Auskunft über die finanzielle Situation der NAV Anbieters eingeholt – die war in Ordnung. Aber sich weder in der Branche über den NAV Partner erkundigt noch Referenzen anderer Unternehmen eingeholt.

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Bevor das ERP Projekt beauftragt wurde, wurde vom ERP Anbieter der zukünftige Projektleiter und Senior Consultant vorgestellt. Dumm nur, dass dieser Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt hatte und zum Projektstart dann gar nicht mehr dabei war.

Der Auftakt war zwar nicht ermutigend, aber es wurde mit einem anderen Projektleiter scheinbar adäquater Ersatz besorgt. Scheinbar deshalb, denn das Einführungsprojekt wurde zu einer absoluten Katastrophe, zu einer Never Ending Story.

Während dieses Projektes haben sich dann noch eine ganze Reihe von Mitarbeitern die Klinke in die Hand gegeben. Leute, die heute vom Kunden quasi auf aktuellen Projektstand gebracht wurden, waren 2 Monate später schon wieder nicht mehr da. Der nächste Senior Consultant hatte sich vorgestellt. Alter: vielleicht 25 Jahre. Tolle Karriere, mit 25 schon Senior Consultant.

Der interne Projektaufwand beim Kunden explodierte im gleichen Umfang, wie immer wieder neue Leute vom NAV Anbieter in das Projekt gebracht wurden.

Irgendwann hatte dieses Trauerspiel dann doch ein Ende und das neue ERP System wurde für die Mitarbeiter freigegeben. Nach allem was sich bis hierhin ereignet hatte, verlief der Echtbetrieb aber erstaunlich problemlos. Na immerhin – vielleicht hatte es sich ja doch ausgezahlt sich durchzubeissen und alles wurde gut.

Na ja. Falls es wirklich dann so gekommen wäre, hätte ich persönlich eine neue Erfahrung gemacht. Ich sage immer: So wie es beginnt, bleibt es. Besser wird es fast nie mehr (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und so war es letztendlich dann eh auch hier wieder so.

Langsam spielte sich das neue System ein und Mitarbeiter freundeten sich soweit damit an, dass auch schon neue Ideen, wie das System noch zusätzlich genutzt werden könnte, aufkamen. Es wurde im Unternehmen ein zentraler Ansprechpartner ernannt, der diese Wünsche sammelte, ordnete, mit der Geschäftsleitung gemeinsam priorisierte und dann das Gespräch mit dem NAV Partner suchte.

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Man hatte sich mit dem NAV Partner abgestimmt, Angebote von mehreren Vorschlägen wurden erstellt. Beauftragt wurden von den ca. 8 Angeboten dann die 3 wichtigsten Erweiterungen.

Zack, der nächste Paukenschlag.

Der NAV Partner verrechnete die Aufwände zur Erstellung aller 8 Angebote. Der Kunde muss für die Erstellung von allen Angeboten bezahlen auch für jene, die nicht beauftragt werden.

Ich meine, man muss sich vorstellen, der NAV Partner hat hier einen Kunden für die nächsten 10 Jahre und fängt bereits bei den ersten Zusatzangeboten (Change Requests) an, Körberlgeld zu kassieren.

Das war für mich tatsächlich was Neues. Mittlerweile kenne ich 2 NAV Partner, die sich die Erstellung von Angeboten bezahlen lassen. Ob das generell der Fall ist oder nur bei jenen Kunden, die man als Anbieter eh eher loswerden möchte, kann ich nicht sagen. Meine Vermutung geht allerdings in diese letztgenannte Richtung.

Dazu kann ich nur sagen, ich kenne NAV Partner (und nicht nur die, mit denen ich zusammenarbeite) die das nicht machen, die ihre Mitarbeiter schon seit 10 Jahren oder länger an Bord haben und für die Kundenzufriedenheit nicht nur ein Wort ist.

Aber schauen wir weiter. Die Reise ist ja noch nicht zu Ende.

Der Unternehmer hatte mittlerweile ganz vorsichtig seine Fühler nach einem neuen NAV Partner ausgestreckt. Dieser hatte sich die installierte Lösung genauer angesehen und ist auf 2 Punkte gekommen, die ebenso fragwürdig wie bezeichnend sind für die ganze, verfahrene Situation.

Die Originallizenz des Kunden wurde vom NAV Partner nicht eingespielt.

Nach mehrmaligen, wiederholten Aufforderungen hat der NAV Partner schliesslich doch das originale Lizenzfile eingespielt. Dummerweise sind dann nicht mehr alle Funktionalitäten verfügbar gewesen. Es hat auch das wieder mehrere Wochen gedauert, bis alles mit dem originalen Lizenzfile dann wieder so funktionierte, wie es bestellt und bezahlt wurde.

Die zweite Sache, die dem hinzugeholten NAV Spezialisten aufgefallen ist, war der Umstand, dass die Mitarbeiter des derzeitgen NAV Partners scheinbar den NAV Standard der aktuellen NAV Version nicht gut genug kannten. Nicht nur einmal wurden Zusatzprogrammierungen gefunden die der Kunde bezahlt hat, die als Funktionalität im NAV Standard aber ohnehin verfügbar gewesen wäre.

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Der Kunde möchte den NAV Partner wechseln. Wie geht das? Worauf muss man achten?

Jeder NAV Kunde kann prinzipiell ohne seinen NAV Partner davon in Kenntnis zu setzen, den NAV Partner wechseln.

Das geht mit einem Partnerwechselformular ganz easy. Einfach ausfüllen  und das Formular dem neuen NAV Partner oder direkt an die Microsoft faxen. Das war´s dann schon.

Haben Sie beim bisherigen NAV Partner einen Wartungsvertrag gehabt, hat der Wechsel keinerlei Auswirkungen auf die Gültigkeit des Vertrages. Dieser Wartungsvertrag berechtigt Sie zum Bezug von neuen Releases der Microsoft Dynamics NAV – Lizenzen, Updates und Patches, wenn diese zum Beispiel durch gesetzliche Änderungen in der Finanzbuchhaltung notwendig werden.

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Dieser Wartungsvertrag wird vom NAV Partner für die Microsoft verwaltet und der  Betrag für die Lizenzwartung fast zur Gänze an die Microsoft zur Weiterentwicklung der ERP Software abgeführt. Der NAV Partner ist für den Wartungsvertrag nur das ausführende Organ, deshalb hat ein Wechsel des NAV Partners keine rechtlichen Auswirkungen. Ab dem nächsten Stichtag ist dann der neue NAV Partner für den Wartungsvertrag zuständig.

Anders sieht die Sache bei einem Supportvertrag aus. Ein Supportvertrag wird mit dem NAV Partner geschlossen, der auch die darin vereinbarten Leistungen erbringt. Dieser Vertrag gilt solange, wie es vertraglich eben vereinbart wurde. Schwierig zum Durchschauen ist das für Kunden meist immer dann, wenn es kombinierte Wartungs- und Supportverträge gibt.

Nicht selten sind diese Supportverträge auf 3 Jahre abgeschlossen, aus denen man dann nicht rauskommt. Auf Goodwill des alten NAV Partners werden Sie eher nicht zählen können. Wechseln Sie den Partner ist der alte NAV Partner natürlich weder in der Lage noch gewillt, Supportleistungen zu erbringen. Zahlen müssen Sie dennoch wie vereinbart.

Was man natürlich an internen und externen Kosten nicht vergessen darf: der neue NAV Partner braucht eine Vielzahl an Informationen in Form von kostenpflichtigen Workshops, die auch interne Kapazitäten binden, um eine entsprechend hohe Qualität in der Betreuung des Kunden und der Weiterentwicklung der ERP Software bringen zu können.

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Am einfachsten ist der Wechsel zu einem neuen NAV Partner dann, wenn eine bereits veraltete NAV Version in einem Upgrade – Projekt erneuert wird. In diesem Zusammenhang werden nicht selten Geschäftsprozesse optimiert und die bisherigen Erkenntnise aus dem Daily Business mit NAV in die neue Version eingearbeitet. Das ist eine gute Gelegenheit die Mitarbeiter des neuen NAV Partner kennen zu lernen und einzuarbeiten.

Schmeissen Sie nicht die ERP Software NAV aus dem Unternehmen. Wechseln Sie den NAV Partner.  Das Sie mit Ihrer bereits getroffenen Entscheidung zu NAV richtig liegen, zeigt auch die Studie von Panorama Consulting Solutions: SAP vs. Oracle vs. Microsoft Dynamics: What to Expect in 2020

Manchmal ist der Frustpegel des Unternehmers so hoch, dass die ERP Software NAV eingestampft und durch ein vermeintlich besseres Produkt ersetzt wird. Aber alle anderen kochen auch nur mit Wasser. Siehe dazu besonders im Fazit die beiden Statements von Juraj Salak, die ich nur vollinhaltlich bestätigen kann.

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FAZIT: NAV Partner wechseln

Dieses Mal möchte ich das Fazit Herrn Dipl. Ing. Juraj Salak überlassen, weil er das aus seiner langjährigen Praxis auf Kundenseite selber mehrfach erlebt hat.

Ernst J. Dennstedt MBA - NAV Partner wechseln

Ernst J. Dennstedt MBA – NAV Partner wechseln

Dipl. Ing. Juraj Salak, langjähriger CIO in verschiedenen Firmen, bei denen er selber ERP Software eingeführt hat: Ihr Implementierungspartner und der Hersteller der ERP Software sind für den Erfolg wichtiger  als die Software selber. Manche meinen sogar, er [Anm.: der NAV Partner] ist der wichtigste Erfolgsfaktor. Sein Know-how bezüglich Software, Branche, Projektmethodik, seine Haltung und Einsatz werden den Erfolg bestimmen. Investitionsschutz (Stabilität des Partners) und Ressourcenverfügbarkeit dürfen aber auch nicht vernachlässigt werden.

Ich möchte nach all dem Gesagten aber doch auch noch eine Lanze für die NAV Partner brechen, weil einerseits gibt es Etliche die wirklich gute Arbeit abliefern und und zufriedene Kunden hervorbringen, und andererseits bei Problemen (fast) nie einer allein der Schuldige ist. In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal Herrn Salak zu Wort kommen lassen, weil er mit diesem Statement unbedingt ebenso recht hat wie mit dem obigen.

Dipl. Ing. Juraj Salak: Die Software ist gut, der Partner ist gut – uns ist der Erfolg also sicher!

… haben wir nicht auf etwas vergessen?

Wenn kleine Kinder das Zählen lernen, üben sie das gerne am zählen der Anwesenden. Damit sie dabei nicht auf sich selber vergessen, dass  muss extra gelernt werden. Aus irgendeinem schleierhaften Grund muss das evolutionär besonders schwierig sein. Manche schaffen diesen Entwicklungsschritt nicht, oder verlernen es irgendwann später im beruflichen Leben.

Den Beweis dafür findet man in manchen ERP-Projekten, wo jedes Problem der Software und dem Partner zugeschrieben wird. Er selbst würde ja, wenn nur die Software, wenn nur der Lieferant…

Eine angenehme Haltung ist das, doch helfen tut sie niemanden.
Ihre Firma spielt eine absolute Schlüsselrolle bei der ERP Einführung.

In diesem Sinne lasse ich noch zum Abschluss einen Unternehmer und Freund von mir zu Wort kommen, der immer und immer wieder diesen Spruch losgelassen hat und entsprechend schnell reagiert und Entscheidungen getroffen hatte (mittlerweile ist er in Pension):

Der erste Verlust ist der Kleinste!

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben und stehe für weitere Fragen sehr gerne zu Ihrer Verfügung.

Mit besten Grüßen.

Herzlichst, Ihr Ernst J. Dennstedt MBA

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